Sinnvolles tun für die Menschen
Interview mit Schwester Brigitta Schach RGS
Als 18-Jährige beschloss sie, ihr
Leben Gott zu weihen. Am
22. März 2009 feierte Ordensschwester Birgitta Schacht (72)
mit einem Festgottesdienst ihr goldenes Ordensjubiläum. Die
Lippische Landes-Zeitung sprach aus diesem Anlaß mit der engagierten
Ordensfrau.
Sie waren sehr jung, als Sie die Entscheidung
getroffen haben, in einen Orden einzutreten. Was war damals Ihre
Motivation?
Birgitta Schacht: Mich hat es immer interessiert,
für Menschen da zu sein. Der Orden, dem ich angehöre,
heißt "Schwestern vom Guten Hirten". Er hat es sich
zur Aufgabe gemacht, gerade für die Schwachen da zu sein. Das
war und ist mir wichtig. Außerdem wollte ich gern in die Mission,
ich hatte damals einen Film über Afrika gesehen – und
die Bilder haben mich fasziniert.
Warum sind Sie schließlich dann
doch nicht nach Afrika gegangen?
Birgitta Schacht: Als ich damals der Noviziatsleiterin von meinen
Plänen erzählte, sagt sie: „In zehn Jahren ist die
Mission bei uns.“ Sie sollte Recht behalten. Jetzt haben wir
gerade im europäischen Raum Nachwuchssorgen. Bei meinem Eintritt
lebten im Münsteraner Kloster 120 Ordensschwestern –
heute sind es gerade mal 12. In Asien, Südamerika oder Afrika
sieht es anders aus – dort ist der Zuspruch noch groß.
Waren Sie enttäuscht, dass Sie nicht
in die Mission gehen konnten?
Birgitta Schacht: Eigentlich nicht, denn ich wurde
hier gebraucht. Ich hatte viele Aufgaben im sozialpädagogischen
Bereich. Im Laufe der Jahre konnte ich so viel Sinnvolles tun: Von
heilpädagogischen Kindergruppen über Fürsorgearbeit
bis hin zur Altenseelsorge. Das mache ich jetzt hier in Blomberg.
Das Leben im Orden hat mir eine Fülle von Ausbildungen und
Einsätzen beschert.
Ist es Ihnen schwergefallen, sich für
ein Leben ohne Ehe, ohne Familie zu entscheiden?
Birgitta Schacht: Ich habe mir die Konsequenzen
gut überlegt. Und eines ist auch klar: Es ist immer wieder
eine Auseinandersetzung. Natürlich sind auch Zweifel aufgetaucht:
Ist das der richtige Weg? Mir hat es sehr geholfen, dass ich immer
für Menschen da war. In gewisser Weise hatte ich ja durch die
heilpädagogische Arbeit Kinder.
Was schätzen Sie am Engagement Ihrer
Glaubensgemeinschaft besonders?
Birgitta Schacht: Wir sind immer mit weltlichen
Problemen vertraut. Die Würde von Frauen und Kindern ist unser
besonderes Anliegen. Der Orden wurde im 17. Jahrhundert von Johannes
Eudes in Frankreich gegründet, um Prostituierten und anderen
Frauen am Rand der Gesellschaft zu helfen. In dieser Tradition stehen
wir auch heute. So entwickeln wir in vielen Ländern Projekte,
die den Frauen helfen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nur so
können sie sich wirkungsvoll gegen Ausbeutung zum Beispiel
durch Sextourismus schützen. Wir beraten und unterstützen
gerade in Afrika Aidskranke.
Das Interview führte Ulla Jung
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