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Maria Droste zu Vischering wurde am 8. September 1863 im Erbdrostenhof
zu Münster geboren. Ihre Jugend verbrachte sie auf Schloß
Darfeld. Nach Internatsjahren in Riedenburg am Bodensee trat sie
1888 in das Kloster der Schwestern vom Guten Hirten ein. Sie erhielt
den Ordensnamen Schwester Maria vom Göttlichen Herzen. Bei
ihrer Arbeit im Mädchenheim des Hauses lernte sie die Schattenseiten
der rasanten Industrialisierung im gerade gegründeten Deutschen
Reich kennen: Tausende von jungen Mädchen und Frauen wurden
in die Armut, in die Prostitution gedrängt. Die Schwestern
vom Guten Hirten gehörten zu den wenigen, die sich um ihr Schicksal
kümmerten.
Schwester Maria Droste zu Vischering übernahm
1891 nach der Ewigen Profeß die Leitung einer Klasse (Wohngruppe)
von jungen Mädchen. Sie notiert in ihren Erinnerungen: „Einzig
dem Herzen Jesu schreibe ich den guten Erfolg zu, den ich bei meinem
Verkehr mit den Büßerinnen gehabt habe. Oftmals, wenn
ein Fall verzweifelt schien, ebnete ER alle Schwierigkeiten.“
1894 wurde Schwester Maria zur Oberin des Klosters
vom Guten Hirten in Porto (Portugal) berufen. Das Haus vom Guten
Hirten in Porto beherbergte über 100 junge Mädchen, die
meisten aus armen Familien, aufgelesen auf der Straße, beim
Diebstahl ertappt oder bei der Prostitution. Schwester Maria weiß
ihre Herkunft aus einer angesehenen westfälischen Adelsfamilie
zu nutzen. Sie rückt Bürokraten und Amtsstubenleitern
auf die Pelle, schreibt Bettelbriefe an reiche Fabrikbesitzer, sucht
persönlich nach Lehrstellen, nach Pflegefamilien, redet Priestern
und Bischöfen ins Gewissen.
Was die Mädchen brauchen, die sich in der
Obhut der Schwestern befinden, ist nicht nur materielle Hilfe. Die
seelischen Verletzungen und Verwundungen sind es, die ebenso der
Heilung bedürfen. Den ganzen Menschen heilen, ihm seine Würde,
seine Einzigartigkeit bewußt machen, darum bemühen sich
die Schwestern vom Guten Hirten - damals wie heute.
Maria Droste zu Vischering war ein Mensch, der
Herzen aufschließen konnte. Die Mädchen hatten tiefes
Vertrauen zu ihr - in hellen wie in dunklen Stunden. Krankheit und
Tod waren häufige Gäste im Kloster zu Porto. Viele Mädchen,
die der Obhut der Schwester übergeben wurden, kamen mit Tuberkulose
und Geschlechtskrankheiten oder waren ganz einfach unterernährt.
Schwester Maria selbst litt unter einer schweren Rückenmarkserkrankung,
die sie an Krücken zwang. Doch die Schmerzen zählten für
sie nicht, wenn es um das Wohl der ihr anvertrauten Mädchen
ging.
Schwester Maria starb am 8. Juni 1899 im Alter
35 von Jahren. Am 1. November 1975 wurde sie von Papst Paul VI.
in Rom seliggesprochen. Sie fand ihre letzte Ruhestätte in
der neuerrichteten Kirche des Klosters der Schwestern vom Guten
Hirten in Ermesinde / Porto. |