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In Frankfurt versuchen Schwestern vom Guten Hirten, mit neuen Formen
der Gemeindepastoralarbeit den sozialen Problemen in einer Vorstadtsiedlung
zu begegnen und aus dem "Neben-einander" der Menschen
ein "Miteinander" zu machen.
Auf den ersten Blick ist es eine ganz normale Vorstadtsiedlung.
Hochhäuser, viel Grün und eine Schrebergarten-kolonie,
daneben die Eisenbahn- und S-Bahnstrecke. Wir sind am Frankfurter
Berg. Im Behördendeutsch ein "sozialer Brennpunkt".
In einigen Hochhäusern wohnen mehr als 200 Parteien; der Ausländeranteil
liegt bei über 50 Prozent. Unter den mehr als vierzig Klingelschildern
fällt eines auf: "Schwestern vom Guten Hirten". Achte
Etage. Seit Sommer 1998 wohnen hier drei Ordensfrauen: Schwester
Odilia Völcker-Janßen, Schwester Paula Rohn und Schwester
Gudula Busch. Nahe bei den Menschen sein, mit ihnen den Alltag,
die Sorgen und Nöte teilen, das war schon immer Auftrag des
Ordens.
Schwester Gudula zeigt mir ihr kleines Büro. "Maria Droste
Service" steht an der Tür. Eine Verbeugung vor Schwester
Maria Droste zu Vischering, der seliggesprochenen Ordensfrau vom
Guten Hirten, aber auch eine Verbindung zur gleichnamigen Einrichtung
der Schwestern vom Guten Hirten in New Yorks Stadtteil Manhattan,
wo ehrenamtliche Mitarbeiter und Berater sich um die sozialen Nöte
und Probleme der Menschen kümmern. Ein Schreibtisch, ein Computer,
ein Telefon, ein alter Schrank, der neben Akten auch Kinderspielzeug
birgt, eine Sitzecke für Gäste - das ist das "Büro".
Die Wohnung der Schwestern liegt gegenüber.
Als die drei Schwestern vom Guten Hirten in ihr neues Domizil am
Frankfurter Berg einzogen, fingen sie praktisch bei Null an. Für
viele Nachbarn waren Ordensfrauen (dazu noch ohne Schleier) eine
vollkommen neue Erfahrung. "Du nix Mann, nix Kinder?"
fragte eine muslimische Frau Schwester Gudula. Die Ordensfrau schüttelte
den Kopf: "Nein, nur Allah und die Menschen!" Worauf die
Mutter von fünf Kindern sie mit großen Augen anschaute
und sagte: "Wuuunderbar!"
In der Julius-Brecht-Straße herrscht ein wahres Völkergemisch:
Afghanen, Marokkaner, Vietnamesen, Eriträer, Ägypter,
Roma und auch ein paar deutsche Familien. Im Haus nebenan sind Kosovo-Albaner
eingezogen. "Nicht die Armut ist das Problem, sondern die mangelnden
sozialen Kontakte, die Sprachschwierigkeiten", meint Schwester
Gudula.
Es schellt an der Tür. Drei Kinder kommen zu Besuch, zwei
Mädchen von 10 und 11 Jahren, ein kleiner Junge im Vorschulalter.
Schwester Gudula spielt oder singt mit ihnen, schaut auch schon
mal auf die Hausaufgaben oder läßt die älteren an
den kleinen Lerncomputer, den sie geschenkt bekommen hat.
Schwester
Odilia Völcker-Janßen kümmert sich besonders um
die alten und kranken Menschen in der Nachbarschaft. Daneben entdeckte
sie eine andere wichtige Aufgabe: Hausaufgabenbetreuung und Deutsch-Nachhilfe
für die Kinder ausländischer Familien. Doch schon bald
sagten die Mütter: "Nicht nur unsere Kinder brauchen Hilfe.
Wir wollen auch Deutsch lernen!" Und so begann Schwester Odilia
mit einem Deutschkurs für Erwachsene. Frauen aus Afghanistan
und Marokko drücken jetzt zweimal die Woche die "Schulbank".
Christen, Mohammedaner, Buddhisten und Menschen, die jede Beziehung
zur Kirche verloren haben - in der Wohnung der Schwestern vom Guten
Hirten am Frankfurter Berg sind alle willkommen. Der kleine Meditationsraum
neben dem Büro von Schwester Gudula ist nicht nur für
die Schwestern bestimmt. Manchmal betet oder meditiert man hier
mit Nachbarn und Freunden. Ein Ort der Integration, der Gemeinsamkeit
in diesem anonymen Hochhausviertel.
Wolfgang Poeplau
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