In
der jüdischen Tradition nimmt David neben Moses eine führende
Rolle ein. Er ist König, Krieger und Anführer - der Erste
in allen Dingen, im Krieg wie in der Liebe, in der Rache und im Großmut,
in der Sünde und in der Buße.
David lebte um 1000 vor Christus. Er war der Sohn des Isai aus Bethlehem.
Gott beruft ihn durch den Richter und Propheten Samuel, der auch Saul
zum König gesalbt hatte. Als Samuel bei Isai eintrifft, ist David
gerade auf dem Feld und hütet die Schafe. In Psalm 78 heißt
es: "Und er (Gott) erwählte seinen Knecht David; er holte
ihn weg von den Hürden der Schafe, von den Muttertieren nahm er
ihn fort, daß er sein Volk Jakob weide und sein Erbe Israel."
Der noch minderjährige David kommt an den Hof König Sauls
und wird dessen Waffenträger. Er ist jung und schön; all seine
Begabungen zeugen davon, daß der Segen Gottes auf ihm ruht. Im
Kampf gegen die Philister beweist David Tapferkeit und Mut. Er besiegt
den Riesen Goliath mit einer einfachen Steinschleuder. David hat kein
Schwert und keinen Bogen; er bedient sich stattdessen seiner Hirtenausrüstung
und ein paar Steinen.
Davids Sieg verschärft den Konflikt im Königshaus. "Saul
hat Tausende erschlagen, David aber Zehntausende", sagen die Leute.
Saul wird eifersüchtig, "denn der Geist des Herrn war von
Saul gewichen; jetzt quälte ihn ein böser Geist." (1
Sam 16,14) Er trachtet David nach dem Leben, so daß dieser fliehen
muß. Nur die enge Freundschaft zu Jonathan, dem Sohn des Königs,
rettet ihn vor Verrat und Tod.
Als Saul stirbt, wird David zunächst nur König über den
Stamm Juda. Die anderen Stämme schließen sich Ischbaal an.
Erst nach dessen Ermordung, an der David wohl nicht unschuldig ist,
vereinen sich alle Stämme unter seiner Herrschaft. Israel erreicht
die größte territoriale Ausdehnung seiner Geschichte, und
Jerusalem wird zur Hauptstadt. Doch die Erfolge werden erkauft durch
blutige Kriege.
"Die einen sind stark durch Wagen, die andern durch Rosse, wir
aber sind stark im Namen des Herrn", dichtet David: "Herr,
verleih dem König den Sieg!" (Ps 20,8).
So erfolgreich David als König und Feldherr ist, so wenig glücklich
verläuft sein Privatleben. David verliebt sich in Batseba, eine
junge Hetiterin, und läßt deren Mann ermorden; seine Söhne
Ammon und Absalom verstricken sich in einen tödlichen Streit, Gott
straft ihn mit dem Tod eines Kindes, und schließlich sieht sich
David sogar mit einem militärischen Aufstand Absaloms konfrontiert,
der mit dessen Tod endet. Auch Davids geliebter Freund Jonathan fällt
im Kampf.
Dem Dichter und Sänger David wird der berühmte Psalm 23 zugeschrieben,
der mit den Worten beginnt: "Der Herr ist mein Hirte, nichts wird
mir fehlen..." Durch das persönliche Leid, das er erfährt,
aber auch durch Erfahrung der verzeihende Liebe Gottes, wird er zum
Guten Hirten geformt. Gott straft ihn zwar wegen seiner Sünden,
aber er verläßt oder verwirft ihn nicht. "Du deckst
mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde... Güte und Huld werden
mir folgen ein Leben lang, und im Haus des Herrn darf ich wohnen ein
Leben lang."
David stirbt, wie die Bibel berichtet, im hohen Alter und wird in Jerusalem,
der "Davidsstadt" begraben. Sein Sohn Salomo besteigt den
Thron.
"Hirte"
und "König" - diese beiden unterschiedlichen Ur-Bilder
werden in der Person Davids miteinander verschmolzen und zum Vorbild
für alle Könige Israels. "Er sorgte als Hirte für
sein Volk mit lauterem Herzen und führte es mit klugen Händen,"
heißt es über David. (Ps 78,72) Damit bekommt der Hirtendienst,
der bisher auf den kleinen Bereich der Sippe oder des Stammes bezogen
war, die Dimensionen staatlicher Verantwortung und Fürsorge.
Das Volk Israel erwartete die Vollendung des Heils in der messianischen
Zeit als eine Steigerung des Glücks unter David. Der Messias werde
als Nachkomme und Herrscher auf dem Thron Davids kommen, so sagten es
die Propheten. Im Stammbaum Jesu wird deshalb ausdrücklich König
David erwähnt.
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