Salomo
ist König von Israel zwischen 972 und 932 vor Christus. Seine Name
leitet sich von dem hebräischen Wort "Shalom - Friede"
ab. Salomo erweitert das Reich, das er von seinem Vater David übernommen
hat, läßt Städte zu Festungen und Garnisonen ausbauen
und fügt seinem Heer eine Reitertruppe hinzu. Mit einer eigenen
Flotte nimmt Salomo am Handel im Roten Meer und im Mittelmeer teil und
verschafft sich Zugang zu Erz- und Goldminen.
Nach langen Jahren blutiger Kriege unter König David versucht Salomo,
die Beziehungen zu seinen Nachbarn friedlich zu gestalten. Mit mehreren
Herrscherhäusern ist er verschwägert.
Salomo nimmt schließlich ein Werk in Angriff, das auszuführen
Gott seinem Vater David verboten hatte: den Tempelbau. Zwanzig Jahr
dauern nach Auskunft der Bibel die Arbeiten am Tempel, am königlichen
Palast und an der Stadtmauer von Jerusalem. Die neue Hauptstadt wird
zum politischen und religiösen Zentrum des Königreiches.
Salomo
gelangt zu Macht und Ansehen. Die Prachtentfaltung in seinem Palast
fördert im Volk übertriebene Vorstellungen von seinem ungeheuren
Reichtum. Salomo betätigt sich auch als Schriftsteller. Mehrere
Psalmen, das Hohelied und das "Buch der Weisheit" werden ihm
zugeschrieben. Andere Könige und Herrscher respektieren ihn, ja
sie kommen sogar nach Jerusalem, um ihn kennenzulernen. "Gepriesen
sei Jahwe, dein Gott, der an dir Gefallen fand und dich auf den Thron
Israels setzte", ruft die Königin von Saba aus. "Er hat
dich zum König bestellt, damit du Recht und Gerechtigkeit übst."
Salomo hatte Gott ausdrücklich um Hilfe und Weisheit gebeten. "Ich
bin noch sehr jung und weiß nicht, wie ich mich als König
verhalten soll. Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz,
damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden
versteht." (1 Kön 3,7ff)
Zu den Aufgaben des Königs, der wie ein guter Hirte für das
Wohlergehen der ihm anvertrauten Menschen zu sorgen und Gerechtigkeit
gegen jedermann zu üben hat, tritt hier der neue Aspekt einer "weisen
Herrschaft" hinzu. Weise zu regieren bedeutet u.a. mit der verliehenen
Macht verantwortungsbewußt umgehen, die eigenen Grenzen zu erkennen
und ein aufmerksames Auge (und Ohr) für die Sorgen und Nöte
des Volkes zu haben. Weisheit wird am Alten Testament nicht als reine
Verstandessache aufgefaßt. Sie ist Inbegriff einer religiös
und sittlich verankerten Lebensweise. Deutlich wird das in dem sprichtwörtlich
gewordenen "salomonisches Urteil" (1 Kg 3,16ff): Zwei Frauen
kommen zu Salomo. Sie streiten sich um ein Kind. Beide behaupten, die
Mutter zu sein. Salomo soll entscheiden, wem das Kind gehört. Salomo
befiehlt: "Schneidet das Kind in zwei Teile, damit jede der Frauen
eine Hälfte bekommt." Doch da bittet ihn die verzweifelte
Mutter des Kindes: "Tötet es nicht, sondern gebt es jener
Frau!" Ihre Mutterliebe siegt über das Verlangen nach Recht
und Gerechtigkeit. Die Szene lehrt: die Einhaltung von Gesetzen ist
eine Sache - doch der gute Hirte muß mehr besitzen: Weisheit,
Liebe und Barmherzigkeit.
War
Salomo wirklich so weise? Oder verklärten spätere Generationen
sein Bild, wie es schon bei David geschehen war? Die geschichtliche
Wirklichkeit sah anders aus: Der Luxus der Hofhaltung, die Kosten für
Salomos rege Bautätigkeit und für die militärische Rüstung
belasteten das Land mit drückenden Steuern. Zehntausende mußten
Frondienste leisten. Mehr und mehr entwickelte sich Salomo zum Despoten.
Als schließlich der Einfluß seiner ausländischen Frauen
dazu führten, daß in Jerusalem Kultstätten für
heidnische Gottheiten errichtetet wurden, kam es zu Aufständen
gegen ihn. Schon wenige Jahre nach seinem Tod brachen alte Stammeskonflikte
auf und bewirkten die Spaltung des Reiches.
Doch die rund 40 Jahre seiner Regierung sind in der Erinnerung des jüdischen
Volk als Jahre des Friedens haften geblieben. In Psalm 72, der Salomo
zugeschrieben wird und der den Titel "Der Friedensfürst"
trägt, heißt es: "Er wird Recht verschaffen den Gebeugten
im Volk, Hilfe bringen den Kindern der Armen und die Unterdrücker
zermalmen. Die Gerechtigkeit blühe auf in seinen Tagen und großer
Friede." So stellte sich das jüdische Volk einen gerechten
und weisen Herrscher vor, einen wahren Hirten des Volkes - und es ist
kein Zufall, daß später der Prophet Jesaja dem erwarteten
Messias in Erinnerung an König Salomo den Beinamen "Friedensfürst"
gab.
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