| Schwestern
vom Guten Hirten errichteten in Itaosy (Madagaskar) in einer Garage
eine Vorschule für Kinder aus armen Familien. Ein typisches
Beispiel für ein Selbsthilfeprojekt in der Dritten Welt.
Schwester Hilaria hat sich wieder einmal etwas Neues einfallen
lassen. Ihre Einfälle kommen nicht einfach so vom Himmel. Sie
geht den Ursachen von Mißständen nach, sie versucht die
Ursachenketten zu erkennen. Dann sucht sie nach kreativen Lösungen.
Warum z.B. laufen viele Kinder einfach auf der Straße herum
während der Schulzeit? Warum können viele Kinder nicht
angemeldet werden zur Schule? Warum werden viele Schulkinder nach
kurzer Zeit wieder ausgeschult? Schwester Hilaria fand heraus: Die
Mütter dieser Kinder sind meistens unterwegs auf der Suche
nach Arbeit, wenigstens als Tagelöhnerinnen. Oder sie haben
Arbeit und kommen erst abends nach Hause. Die Kinder streunen auf
der Straße herum, denn kein Mensch kümmert sich tagsüber
um sie. Das Schuleintrittsalter ist oft längst über-schritten.
Meistens haben sie kein Schulmaterial, keine Kleidung, zum Teil
auch keine Nahrungsmittel. Wenn es überhaupt möglich ist,
sie einzuschulen, haben viele Schwierigkeiten mit dem langen Sitzen,
der Konzentration, mit den fremden schulischen Gepflogenheiten.
Und da hatte Sr. Hilaria eine Idee: Kinder und Mütter sollen
ein Jahr lang auf einen Schulbesuch vorbereitet werden. Die Garage
im Gelände der Schwestern in Itaosy wurde umfunktioniert und
mit einer Trennwand versehen, so daß zwei Klassen entstanden.
Zwei Frauen, die selbst viel Hilfe erfahren haben in Sr. Hilarias
Frauengruppe, sind bereit, täglich drei Stunden mit den Kindern
zu arbeiten, sie an bestimmte Verhaltens-weisen und soziale Regeln
heranzuführen, ihnen Lesen und Schreiben beizubringen.
Seit dem 1. Mai 1998 kommen täglich 65 Kinder im Alter von
4 bis 14 Jahren, die noch keine Schule besucht haben. Nur 24 Kinder
haben eine Geburtsurkunde. Für die übrigen schickt Sr.
Hilaria die Novizinnen los. Sie klappern die Behörden ab mit
dem Ziel, während des Vor-bereitungsjahres an die fehlenden
Dokumente der Kinder zu kommen.
Der größere Teil dieser Kinder hat morgens noch nichts
gegessen und kann auch kein Pausenbrot mitbringen. Diese Kinder
sind oft kraftlos. "Eine Tasse Milch bekommen alle Kinder in
der Pause von uns. Das ist der wichtigste Moment für sie",
sagt mir Sr. Hilaria. Aber für die "brotlosen" Kinder
ein Pausenbrot auszuteilen, hat sie noch nicht angefangen. Die Folge
wäre, das dann die anderen Kinder auch kein Brot mehr mitbrächten...
Ich frage Sr. Hilaria: "Was würde es kosten, wenn für
alle Kinder täglich ein Schulbrot verteilt würde?"
Sie rechnet aus: Französisches Brot ohne Beilage für 65
Kinder an jedem Schultag: das sind pro Monat 50 Euro.
"Und welchen Lohn bekommen die Lehrerinnen?" frage ich
weiter.
"Lohn? - richtigen Lohn können wir nicht zahlen. Aber
die Frauen sind froh, wenn sie wenigstens jeden Monat 5 Euro bekommen."
Mir geht durch den Kopf: Ob sich nicht eine Partnerschaft aufbauen
ließe, die Kontinuität verheißt: z.B. LehrerInnen
helfen Lehrerinnen, damit die madagassischen Lehrerinnen statt 5
Euro monatlich vielleicht 15 Euro bekämen? SchülerInnen
helfen SchülerInnen, damit die madagassischen Kinder ein Pausenbrot
bekämen? Wenn etwa von verschiedenen Klassen jeweils ein Tag
oder eine Woche übernommen werden könnte...
Oder vielleicht gibt es noch bessere Ideen?
Sr. Daniela Kubiak
PS: Informationen und Hinweise, wie Sie helfen können, gibt
Ihnen gern das Provinzialat der Schwestern vom Guten Hirten in Würzburg. |