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2004 bat der Bischof der südalbanischen Administratur,
Hil Kabashi OFM, die Kongregation der Schwestern vom Guten Hirten
um die Entsendung von Schwestern für sein Bistum. Vier Jahre
später gab der Orden seine Zusage. Die deutsche Provinzleiterin,
Schwester Daniela Kubiak RGS, flog mit Schwester Mirjam Beike RGS
zu einer Informationsreise nach Albanien. Eine Neugründung
in Pogradec wurde verbindlich zugesagt. Seitdem bereiten sich die
Schwestern auf die Aussendung vor.
"Erstes atheistisches Land"
Albanien hat 3,6 Millionen Einwohner. Fast 400 Jahre befand sich
das kleine Land unter türkischer Herrschaft. Zwischen 1912
und 1941 gab es verschiedene Besatzer und politische Systeme. 1948
brach Albanien mit Jugoslawien und der UdSSR und suchte einen eigenen
Weg zum Sozialismus. 1967 erklärte die Regierung das Land zum
"ersten atheistischen Staat der Welt". Nach dem Zusammenbruch
des Kommunismus erfolgte 1990 eine vorsichtige Öffnung zum
Westen. Das Religionsverbot wurde im November 1990 aufgehoben. Dann
besuchte Papst Johannes Paul II. das Land, die katholischen Bistümer
wurden wiedererrichtet, und die Kirche leistete wichtige Aufbauarbeit.
Bis zu 70% der Bevölkerung sind Muslime. Mit einem Anteil von
rund 20% an der Bevölkerung ist die orthodoxe Kirche die zweitstärkste
Glaubensgemeinschaft. Die katholische Kirche in Albanien ist eine
Diasporakirche mit alter Tradition. Sie besteht aus zwei Kirchenprovinzen
mit sechs eigenständigen Diözesen. Über die Zahl
der Gläubigen gibt es kaum zuverlässige Angaben. Die Zahlen
schwanken zwischen 250.000 bis zu einer halben Million albanischer
Katholiken. Viele von ihnen hatten auch in der Zeit der kommunistischen
Verfolgung an ihrem Glauben festgehalten, sodass es der katholischen
Kirche nach 1990 mit italienischer Hilfe leichter fiel, sich zu
reorganisieren. Andererseits wählten viele Albaner bewusst
oder unbewusst das Christentum, weil es kulturell mit dem Westen
verbunden ist. Die Mehrzahl der in Albanien tätigen Welt- und
Ordenspriester stammt aus dem Ausland.

Schwester Daniela (links) und Schwester Mirjam (rechts) besuchten
2008 Albanien, um vor Ort die Neugründung zu planen. Hier erfuhren
sie u.a. Hilfe von Veronika S., die als Katechistin versucht,
den Glauben an die junge Generation zu vermitteln.
Internationale Kommunität
Schwester Mirjam Beike, die als deutsche Schwester an der Neugründung
beteiligt ist, wurde 1965 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem
Abitur absolvierte sie eine Ausbildung als Beamtin im gehobenen
Verwaltungsdienst der Stadt Frankfurt. 1988 trat sie bei den Schwestern
vom Guten Hirten ein. Sie arbeitete mit Frauen, die unter häuslicher
Gewalt litten, mit Menschenhandelsopfern, mit minderjährigen
Müttern in München und ein Jahr in der Kinderpsychiatrie
München. Zwischen 2004 und 2009 engagierte sich Schwester Mirjam
in der Arbeit mit Teenagermädchen, die aufgrund ihrer Biographie
entwurzelt sind und zum Teil schon auf der Straße gelebt haben.
Schwester Mirjam freut sich auf die neue Aufgabe in Albanien: "Wir
werden vier Schwestern sein und eine internationale Kommunität
bilden. Schwester Clare O’Mahony kommt aus Irland, Schwester
Amira Tabet aus dem Libanon, Schwester Lalini Gunawardena aus Sri
Lanka und ich aus Deutschland. Da Albanien 40 Jahre lang ein atheistischer
Staat war, wollen wir vor allem mit Kindern arbeiten. Es gibt in
Albanien kaum noch Kenntnis über den Glauben, da jede Religion
verboten war. Jetzt interessieren sich die Menschen sehr für
religiöse Fragen und für den Glauben."
Kirche
und Pfarrhaus in Pogradec
Probleme und Visionen
Die Schwestern werden vor Ort mit Laien wie Veronika S. zusammenarbeiten.
Die Albanerin, die vor vier Jahren zum Christentum konvertierte
und in Pogradec die kleine Kirche ver- sorgt, versucht jetzt ihren
Glauben an die Kinder weiterzugeben. Neben der mangelnden religiösen
Bildung werden die Schwestern in Albanien jedoch auch mit sozialen
Problemen konfrontiert sein. Dazu zählen Armut, Menschenhandel
und Prostitution. Es gibt Organisationen im Land, die diese Probleme
bekämpfen und mit denen die Schwestern zusammenarbeiten möchten.
Und sie haben Visionen: Junge Frauen machen ein freiwilliges soziales
Jahr in Pogradec, junge Männer leisten dort ihren Zivildienst,
eine deutsche Pfarrgemeinde wird Patin von Pogradec, der Bauorden
hilft beim Auf- und Umbau einer Kapelle mit Schwesternwohnung. Die
Zukunft wird zeigen, was sich realisieren läßt. An Mut
zum Aufbruch ins Ungewisse fehlt es den Schwestern jedenfalls nicht.
Ein Interview mit Schwester Mirjam Beike RGS finden Sie hier:
http://georgskirche.blogspot.com/2009/09/ein-mensch-ist-mehr-wert-als-die-ganze.html
Aktuelle Infornmationen über die Arbeit der Schwestern
finden Sie hier:
http://www.neues-aus-albanien.blogspot.com/
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