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| Werde ein Segen
für alle, die dir begegnen...
Schwestern vom Guten Hirten in Blomberg |
Alle Blomberger mögen
es mir verzeihen: Ich musste zunächst auf der Karte nachschauen,
um die Kleinstadt zu finden. Sie liegt rund 20 Kilometer von Detmold
entfernt, direkt an der Bundesstraße 1. Ein wenig mehr über
die Geschichte von Blomberg erfuhr ich dann, als ich mit Schwester
Birgitta durch die Altstadt schlenderte.
Aber der Reihe nach: Mein Besuch in Blomberg galt dem kleinen Konvent
der Schwestern vom Guten Hirten, der hier 2003 gegründet wurde
– mitten in der Diaspora, wo der Anteil der Katholiken bei rund
10 Prozent liegt. Der Pfarrer der St. Martin-Gemeinde, Hans-Günter
Voß, suchte damals händeringend nach Nachfolgerinnen für
die Salzkottener Franziskanerinnen, die bisher im Pfarrverbund tätig
waren und aus Altersgründen ihre Arbeit aufgeben mussten. Er
hatte Glück, denn die Schwestern vom Guten Hirten gaben gerade
die Leitung ihres Altenheims in Bocholt auf. Da das Charisma der Schwestern
zutiefst missionarisch ist, entschieden sich einige Schwestern „ad
gentes - zu den Menschen“ nach Blomberg zu gehen. |
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Die Schwestern besuchen regelmäßig
alte, einsame und kranke Menschen in Blomberg. „Zeit mitzubringen,
ist das Wichtigste“, sagt Schwester Birgitta. |
Schwester Irmgard Schröter, Schwester Rafaele Kuran und Schwester
Birgitta Schacht empfangen mich im Wohnzimmer des Schwesternkonvents,
der unterhalb der Blomberger Altstadt im Pfarrzentrum neben der Kirche
untergebracht ist. Jede Schwester hat ein Zimmer; es gibt ein Büro,
eine Küche, das Wohnzimmer und einen kleinen Andachtsraum. Kein
„Kloster“, sondern ein „offenes Haus“, wo
jeder ohne Schwellenängste anschellen kann. Und auf Nähe
zu den Menschen legen die Schwestern auch großen Wert. Sie tragen
einen gehörigen Teil der Mitverantwortung für die Seelsorge
und das kirchliche Leben der Gemeinde, denn Pfarrer Hans-Günter
Voß hat mit dem Pfarrverbund Lippe-Süd ein rund 270 km²
großes Gebiet zu betreuen. Schwester Irmgard war sieben Jahre
als Gemeindeassistentin (Erstkommunion, Firmvorbereitung, Ökumene,
Aktionen in der Pfarrgemeinde usw.) und sorgt seit August 2010 als
Sakristanin für die Kirche und die Gottesdienstvorbereitungen.
Die Schwestern gestalten während der Woche Wort- gottesdienste,
Anbetungsstunden, Mai-, Rosenkranz- und Kreuzwegandachten. Daneben
arbeiten sie im Pastoralteam, im Pfarrgemeinderat, bei der Caritaskonferenz
und im Ökumenischen Stadtkonvent mit. |

„Einsatzbesprechung“ am Morgen: Schwester Rafaele,
Schwester Irmgard und Schwester Birgitta regeln gemeinsam den Tagesablauf.

Das Pfarrzentrum St. Martin in Blomberg birgt auch den kleinen
Komvent der Schwestern vom Guten Hirten - ein „offenes Haus“
mit vielen Besuchern.

Schwester Irmgard (links) und Schwester Rafaele betreuen u.a.
BewohnerInnen des Kreisaltenheims in Blomberg. Die Freude bei den
Besuchten ist groß. |
Während wir im Wohnzimmer
noch über die vielfältigen Aufgaben sprechen, klingelt
das Telefon. Schwester Birgitta telefoniert mit Frau U. einer 84-jährigen
Witwe, die seit einiger Zeit gehbehindert ist. „Ich komme
gleich mal bei Ihnen vorbei“, sagt Schwester Birgitta. Besuche
bei kranken und älteren Pfarrangehörigen gehören
mit zu den Aufgaben der Schwestern. „Wir überbringe zum
Beispiel Geburtstagsgrüße der Pfarre an alle älteren
Pfarrangehörigen über 80 Jahre“, berichtet sie.
„Natürlich rufen wir vorher an, ob ein Besuch erwünscht
ist. Aber die meisten sind sehr froh, wenn sie Besuch bekommen.
Sie suchen Kontakt und Betreuung, jemanden, der ihnen zuhört
und vielleicht bei der Bewältigung von Alltagssorgen hilft.“
Ich begleite Schwester Birgitta auf dem Weg zu Frau U. Wir müssen
ein kleines Stück den Berg hinauf in die Altstadt. Frau U.
erwartet uns schon an der Tür, bittet uns in die beste Stube.
An den Wänden die Fotos ihrer Kinder. Aber die leben schon
lange nicht mehr in Blomberg, sondern sind in alle Welt zerstreut.
Zu jedem Bild weiß Frau U. etwas zu erzählen. Die Zeit
vergeht wie im Flug. Ich verstehe, was Schwester Birgitta meint,
wenn sie sagt: „Zeit mitbringen, das ist besonders wichtig.“
Auf dem Rückweg machen wir eine Runde durch die Altstadt. Viele
der alten Fachwerkhäuser sind liebevoll restauriert, an anderen
hat der Zahn der Zeit genagt. Blomberg hat wie viele Städte
in der Region Strukturprobleme. Die jungen Leute orientieren sich
in Richtung der großen Städte, wo sie bessere Berufschancen
haben.
Hinter dem Rathaus liegt die evangelisch-reformierte Kirche, eine
ehemalige Klosterkirche der Augustiner-Chorherren. „Blomberg
war sogar einmal Wallfahrtsort“, erzählt Schwester Birgitta.
Im 16. Jahrhundert kam dann durch fürstliches Dekret die Reformation
ins Lipperland.
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Zurück im Schwesternkonvent
legen wir eine Kaffeepause ein. Gelegenheit, über andere Aktivitäten
der Schwestern zu sprechen, zum Beispiel über die Migrantenarbeit.
Waren es früher Flüchtlinge aus dem Kosovo, so sind es heute
vor allem Flüchtlinge aus Afghanistan und Russlanddeutsche, die
in Blomberg eine neue Heimat suchen. „Wichtig ist nicht nur,
dass wir ihnen helfen, hier Fuss zu fassen“, meint Schwester
Irmgard, „sondern dass auch in den Köpfen der Blomberger
Bevölkerung die Notwendigkeit gesehen wird, diese Familien wirklich
zu integrieren.“
Bei allem Engagement in Blomberg haben die Schwestern vom Guten Hirten
nicht das weltweite Apostolat ihres Ordens vergessen. Jedes Jahr findet
in Blomberg das Dreikönigssingen statt. Schwester Rafaele betreut
die Kinder und begleitet die Sternsinger auf ihren Sammeltouren. Der
Erlös der Aktion geht an die Schwestern vom Guten Hirten in Mozambique.
In diesem Jahr stolze 8.000 Euro, die Schwester Ingrid Schimansky
stellvertretend für die Ordensleitung entgegennahm. Schwester
Ingrid ist seitens der Deutschen Provinz Ansprechpartnerin für
die Kommunität in Blomberg. Regelmäßig besucht sie
die Schwestern und bespricht mit ihnen die aktuellen Aufgaben und
Probleme.
Nach der Kaffeepause unternehmen wir einen Gang zum Kreisaltenheim.
Hier betreuen die Schwestern nicht nur katholische HeimbewohnerInnen.
Schon im Eingangsbereich des modernen Hauses wird Schwester Rafaele
von einer Frau im Rollstuhl freudig begrüßt. Ob wir denn
einmal ihr Zimmer sehen dürften, fragt Schwester Rafaele. Natürlich
dürfen wir. In der Cafeteria treffen wir weitere Heimbewohner,
die sich über den Besuch freuen. Die Schwestern gestalten in
der dortigen Kapelle im Wechsel mit den anderen Kirchengemeinden Bibelstunden
und Wortgottesdienste. „Für uns ist die Anwesenheit inmitten
der Gemeinde Blomberg zugleich ein Ort der Glaubenserfahrung“,
sagt Schwester Irmgard. „Es ist ein gegenseitiges Geben und
Nehmen.“ Und sie zitiert ein Wort der evangelischen Diakonisse
Eva von Tiele-Winkler: „Werde ein Segen für alle, die dir
begegnen.“
Die Kraft für ihr Engagement schöpfen die Schwestern aus
dem Glauben. Der Tag beginnt für sie mit der Heiligen Messe in
der Pfarrkirche, der werktags von dem ebenfalls im Pfarrzentrum wohnenden
pensionierten Pfarrer gehalten wird. Das gemeinsame Stundengebet und
andere Gebete verrichten sie in dem kleinen Andachtsraum des Konventes.
Schwester Rafaele sorgt für die Atmosphäre des Raumes, Schwester
Birgitta trägt mit von ihr selbst kunstvoll verzierten Kerzen
zur Ausschmückung bei. Auch zusammen mit den Messdienern und
Kommunionkindern hat sie bereits Kerzen gestaltet, und die große
Osterkerze in der St. Martin-Kirche ist ebenfalls ihr Werk.
Für mich sind die kunstvollen Kerzen wie ein Sinnbild für
die Arbeit der Schwestern in Blomberg: Dem scheinbar Alltäglichen
durch einen besonderen Schmuck tieferen Sinn zu geben, die Qualität
des religiösen Lebens zu stärken und die Botschaft des Evangeliums
im Alltag aufleuchten zu lassen.
Wolfgang Poeplau |
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