| Aktion Fairer Handel
|
| "Isan-Weberei"
- ein Selbsthilfeprojekt
In Thailand versuchen Schwestern vom Guten Hirten,
durch Selbsthilfe-Projekte für Mädchen und
Frauen der Armut, dem Frauen- und Kinderhandel und dem
florierenden Sex-Tourismus entgegenzuwirken.
Der Nordosten Thailands, allgemein als "Isan"
bekannt, gehört zu den ärmsten Gebieten des
Landes. Es gibt in diesem ländlichen Bereich kaum
Arbeitsmöglichkeiten, und deshalb ist es nicht
verwunderlich, daß viele junge Menschen in die
Großstädte des Südens abwandern, in
der Hoffnung, dort einen Job zu finden. Für viele
endet diese Reise in den Slums und in der Prostitution.
Die Schwestern vom Guten Hirten bemühen sich seit
Jahren, Arbeits-möglichkeiten für junge Frauen
und Ausbildungsplätze für Jugendliche schaffen.
Dabei kommt ihnen der Umstand zur Hilfe, daß fast
jede Frau in dieser Region weben kann; Weben ist eines
der ältesten Handwerke des Landes. Die Schwestern
erkannten hier eine Möglichkeit zum Geldverdienen
für die armen Familien und bauten gemeinsam mit
der einheimischen Bevölkerung kleine Werkstätten
und Ausbildungszentren auf.
1996 gründete die Provinzialin der Niederländischen
Provinz der Schwestern vom Guten Hirten, Schwester Alphonsa
Donders, zusammen mit einem holländischen Ehepaar,
das lange Zeit in Asien gearbeitet hatte, die Stiftung
„Freunde vom Guten Hirten”. Ziel war es,
ein Netzwerk zu schaffen für Hilfe und fairen Handel.
Die Schwestern vom Guten Hirten in Deutschland unterstützen
das niederländische Projekt. Sie verkaufen die
Produkte der jungen Thailänderinnen in der Bundesrepublik.
Der Erlös geht direkt zu den Schwestern nach Thailand,
die ihn den Frauen aushändigen, die die Ware herstellen.
|
|
| „Fountain of Life“- Eine
Lebensquelle für Frauen in Pattaya Die
Mission der Schwestern vom Guten Hirten in Pattaya, Thailand,
wird von fünf Schwestern getragen, von denen jede für
einen Teil der Mission verantwortlich ist, die unter dem Namen
„Fountain of Life“ besteht. Das "Fountain
of Life" ("Quelle des Lebens") Zentrum von
Pattaya wurde in den späten 80er Jahren von Schwester
Michelle Lopez und ihrer Freundin Lampa gegründet, um
den Frauen, die durch Sextourismus ausgebeutet werden, ihre
Menschenwürde zurückzugeben. Sie sollen befähigt
werden, ihr wahres Ich zu finden und sich ihrer eigenen Kraft
wieder bewußt zu werden.
Über die im Sextourismus arbeitenden Frauen ist im Laufe
der Jahre genug gesagt worden. Sie werden gebraucht, missbraucht,
als Ware verkauft und gekauft. Wenn Alter oder Krankheit sie
für die Sexindustrie unbrauchbar machen, läßt
man sie fallen.
Das Zentrum "Fountain of Life" bietet Ausbildungs-
und Übungsprogramme für Frauen; es hat einen Kindergarten
und bietet häuslichen Unterricht für Kinder ohne
rechtlichen Status, die aus diesem Grund die öffentlichen
Schulen nicht besuchen können. Die Schwestern wenden
sich auch verlassenen Kindern zu, die sich ohne Aufsicht in
den Straßen herumtreiben und schlicht niemanden haben,
der sich um sie kümmert. Diese Kinder sind sehr verletzlich
und stehen in Gefahr, in die Sexindustrie hineingezogen zu
werden.
Der Arbeitstag beginnt mit Gebet, einer Teambesprechung und
einem Training. Die freiwilligen Helfer aus verschiedenen
Ländern kommen zu dieser Trainings-stunde, um ihre Erfahrungen
bei der Arbeit mit den Frauen auszutauschen, Erfahrungen,
von denen sie oft erschüttert sind.
Inzwischen ist Pattaya hellwach. Es herrscht ein ohrenbetäubender
Lärm von Motorrädern, öffentlichen Bussen,
die hupen, als ob sie in Brand ständen! Mädchen
mit gleichgültigen Gesichtern sitzen in den Bars, müde
von der vergangenen Nacht. Männer aus allen Nationen
genießen ihr Bier. Ihre dicken Bäuche enthüllen
ihre Lebensweise. Es wird wenig gesprochen. Die Mädchen
hoffen, daß ihr „Freund“ sie für den
Rest des Tages "anstellen" wird, denn das bedeutet,
daß er sie in Frieden läßt.
Auch im Frauenzentrum hat der Tag begonnen. Ein schneller
Blick in die Küche zeigt, dass die treuen Helfer das
Menu für den Tag zubereiten - leichte Mahlzeiten, die
man im Laufe des Tages zu sich nimmt, bis zum Hauptessen am
Abend, wie in Asien üblich. Im Durchschnitt besuchen
täglich 250-300 Frauen das Zentrum. Einige kommen, um
Sprachen zu lernen wie Englisch, Deutsch, oder um Kurse für
Computerkenntnisse zu belegen. Wieder andere wählen praktische
Kurse wie Schneidern, Haarpflege oder Thai-Massage. Viele
Frauen genieren sich wegen ihres Analphabetismus und lernen
Lesen und Schreiben. Sie empfinden es als große Errungenschaft,
wenn sie zum ersten Mal entdecken, daß sie dort, wo
sie arbeiten oder leben, die Straßennamen lesen können.

Für Frauen in Notsituationen wird Beratung angeboten.
Einige kommen nur, sitzen in der Kantine und sprechen mit
einander. Die Unterstützung durch Frauen in der gleichen
Lage ist wichtig. Sie können nicht nach Hause gehen,
denn das gemietete Zimmer ist während des Tages zu heiß.
Viele wohnen in den Slums, wo der Hausbesitzer an Menschen
ohne Ausweispapiere Zimmer vermietet. Viele Probleme der Frauen
ergeben sich aus ihrer Armut. Eine junge Frau bat um Hilfe.
Sie war mit ihrer Miete im Rückstand und wurde aus dem
Zimmer hinausgeworfen. Sie mußte sich eine andere Unterkunft
suchen. Wir besuchten den Hausbesitzer, um zu sehen, ob etwas
unternommen werden könnte. Als wir in das Zimmer kamen,
war schon eine Familie dort eingezogen. Der Hausbesitzer erklärte,
sie sei mit der Miete, die täglich entrichtet wird, zwei
Tage im Rückstand. Sie beträgt zwei Euro pro Tag.
Die Frauen sind nicht in der Lage, die Monatsmiete im Voraus
zu bezahlen. Der Hausbesitzer erklärte sich einverstanden,
ihr ein anderes Zimmer zu höherer Miete zu geben. Einige
von ihren Sachen sollten zurückgegeben werden. Um die
Frau wieder auf die Beine zu bringen, zahlten die Schwestern
die Monatsmiete im Voraus.
Seit dem Tsunami hat die Tourismusindustrie in Thailand Einbußen
erlitten, und das hat die Frauen noch verletzlicher gemacht.
Oft können sie überhaupt kein Geld verdienen und
werden immer wieder hinausgeworfen. Oft verlieren sie alles,
was sie haben, und landen auf der Straße.
Am Abend nimmt die Gemeinschaft vom Guten Hirten das Abendessen
ein. Es wird gemeinsam gebetet und man reflektiert gemeinsam
den Tag. Die Gedanken wandern zurück zu dem, was der
Tag gebracht hat, und oft führt das zu einer tiefen Betrachtung.
In den letzten 10 Jahren haben die Guten-Hirten
Schwestern in Deutschland die Missionen in Thailand finanziell
unterstützt. Fairer Handel unterstützt die Projekte
in Thailand durch den Verkauf der Produkte, die von den Frauen
und Mädchen in Problemsituationen gefertigt wurden.
Sie können die Werke der Gut Hirten
Schwestern in Thailand unterstützen, indem Sie für
sie beten oder ihnen finanziell helfen. Ausbildung und Hilfe,
daß die Frauen stärker und selbstbewußter
werden und Selbstvertrauen gewinnen, kostet für eine
Frau für die Dauer eines Jahres 50.00 €.
Joke Kok
|